superProDR - Betrieb des Direktreduktionsprozesses mit herausragender Produktivität

Ausgangssituation:
- Die europäische Stahlindustrie steht vor der massiven Herausforderung, ihre CO2-Emissionen bis 2030 um 55 % zu senken und bis 2050 klimaneutral zu werden.
- Die Transformations-Roadmaps sehen vor, die bisherige Produktionskette über den Hochofen durch die Direktreduktion (DR) zu ersetzen.
- Aufgrund der hohen Erdgas- und Strompreise in den meisten europäischen Ländern ist es jedoch schwierig, den DR-Prozess wettbewerbsfähig zu betreiben.
- Um dem globalen Wettbewerbsdruck standzuhalten, müssen europäische Stahlhersteller ihre DR-Anlagen auf einem herausragenden Produktivitätsniveau betreiben.
- Dies erfordert einen maximalen Durchsatz sowie hohe Temperaturen, was das Risiko für Verklebungen der Pellets (Sticking) im Ofen drastisch erhöht.
- Gleichzeitig erzwingt die Kostenminimierung den Einsatz von qualitativ geringerwertigen und günstigeren Rohstoffen, was die Durchlässigkeit im Prozess zusätzlich beeinflusst.
Projektziele:
- Befähigung der europäischen Stahlindustrie zum Betrieb von DR-Prozessen auf einem überlegenen Effizienz- und Produktivitätsniveau bei gleichzeitiger Vermeidung von Sticking.
- Entwicklung neuer, hochtemperaturbeständiger Pelletbeschichtungen (Coatings) zur Verringerung des Sticking-Risikos.
- Erarbeitung von realistischeren und standardisierten Testverfahren, um die Sticking-Neigung verschiedener Rohstoffe und Beschichtungen zu bewerten.
- Schaffung validierter Simulationsmodelle, die das räumliche Sticking-Risiko, die Partikelbewegung und die Gasdurchlässigkeit im Prozess detailliert berechnen.
- Entwicklung neuer Messkonzepte und digitaler Tools zur frühzeitigen Online-Erkennung von Sticking und zur optimalen Prozesssteuerung.
Innovative Ansätze:
- Forschung an innovativen SiO2-basierten und hybriden organisch-anorganischen Silizium-Beschichtungen für Eisenerzpellets.
- Einsatz eines hochtemperaturbeständigen, gasgeschirmten Scherzellenreaktors (Hot Shear Testing Reactor) zur realistischen Messung von Scherkräften und Sticking unter DR-Bedingungen (bis zu 1000 °C).
- Gekoppelte DEM-CFD-Simulationen (Discrete Element Method und Computational Fluid Dynamics) zur exakten Analyse der Wechselwirkung zwischen lokaler Gasströmung, Partikelbewegung und Agglomeratbildung.
- Überführung der komplexen CFD-DEM-Erkenntnisse in ein schnelles FEM-Modell (Finite-Elemente-Methode), das als "Soft-Sensor" für die Online-Simulation des DR-Schachtofens agiert.
- Gleichzeitige thermochemische Berechnung der Interaktionen zwischen Eisenerz, Pelletbindemitteln und Beschichtungen mithilfe von FactSage®.
Nutzen für die Industrie:
- Produktivitätssteigerung der DR-Anlagen um geschätzte 5 % durch die sichere Ermöglichung höherer Betriebstemperaturen.
- Deutliche Senkung der Betriebskosten (geschätzt 10 € pro Tonne Rohstahl) durch den flexiblen und effizienten Einsatz günstigerer Rohstoffe wie Hochofen-Pellets.
- Vermeidung von Anlagenstillständen und Prozessstörungen durch den Einsatz von Vorhersage-Tools und präzisen Frühwarnsystemen für Sticking.
- Unterstützung der strategischen Rohstoffbeschaffung durch neue Standards, die das Sticking-Risiko anlagenspezifisch exakt bewerten.
- Wesentlicher Beitrag zur CO2-Minderung (geschätzt 1 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr bis 2035), was zusätzliche Einsparungen bei Emissionszertifikaten generiert.
- Förderung einer digitalen, datengesteuerten Stahlproduktion, die die Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplatzsicherheit in der EU stärkt.
Weitere Informationen:
Projektwebseite: https://superprodr.eu/
LinkedIn: SuperProDR project


Partner
Förderungsnummer
RFCS, Projektnummer: 101216556
Ihre Kontaktperson

50 Thomas Piontek
+49 211 98492-258
Thomas.Piontek_at_bfi.de




